Beschwerdemechanismus in unseren Lieferketten – Zusammenfassung 2020/2021

Als Mitglied von amfori verpflichten wir all unsere Lieferanten in Hochrisikoländern dazu, ein effektives System für Beschwerden und Vorschläge von Beschäftigten zur Verfügung zu stellen. Diese werden im Rahmen von unabhängigen Sozialaudits bei unseren Konfektionären geprüft. Lieferketten, die nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert sind, verpflichten sich per Standard ebenfalls dazu, einen funktionierenden Beschwerdemechanismus vorzuweisen, der während der jährlichen Audits kontrolliert wird. Um die Effektivität dieser Systeme zu beurteilen, fragen wir ab, welche Mechanismen bei den Zulieferern implementiert sind und schätzen deren Wirksamkeit auf Basis der erhaltenen Informationen und Dokumentation ein. Dies geschieht auch durch eigene Assessments unserer Partnerinnen und Partner vor Ort, vor allem aber auch bei persönlichen Besuchen von Mitarbeiterinnen der Nachhaltigkeitsabteilung in den Produktionsstätten. Dabei werden neben dem Management auch Arbeiterinnen und Arbeiter zu dem Umgang mit Beschwerden befragt.

In Bangladesch erreichen uns Beschwerden zusätzlich über einen Kanal des ACCORD Brandschutzabkommens. In Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Partnerinnen vor Ort setzen wir uns mit dem jeweiligen Fabrikmanagement und den betroffenen Arbeitenden in Verbindung, um den Sachverhalt zu prüfen und ggf. entsprechende Maßnahmen zu adressieren. Insgesamt wurden uns über den ACCORD-Beschwerdemechanismus 16 Beschwerden in den Jahren 2020 und 2021 gemeldet, wovon bis Dezember 2021 nur eine Beschwerde noch im Untersuchungsprozess war. Die eingegangenen Beschwerden bezogen sich auf insgesamt 9 zu dem Zeitpunkt aktiven Lieferanten. Mit einem der betroffenen Lieferanten haben wir im Laufe der beiden Jahre die aktive Geschäftsbeziehung eingestellt. Die Beschwerden bezogen sich vornehmlich auf ausbleibende Zahlungen von Gehältern beim Ausscheiden von Fabrikmitarbeitenden und arbeitsrechtliche Unstimmigkeiten in Zeiten von Covid-19.


Beispielsweise erreichte uns über den Accord die Beschwerde, dass ca. 1.500 neu eingestellte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen einer Fabrik über einen von der Regierung zur Bekämpfung von COVID-19 ausgerufenen Feiertag entlassen worden sein sollten. Unsere Kollegen vor Ort setzen sich mit der Fabrik in Kontakt und verglichen die aktuelle Anzahl der Arbeitenden (1.738 Arbeitende) mit der Anzahl, die während ihres letzten Besuchs dokumentiert wurde (2.237 Arbeitende). Hierbei wurde deutlich, dass durchaus eine Reduzierung der Belegschaft stattgefunden hatte, jedoch nicht am besagten Feiertag, sondern über einen längeren Zeitraum und entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen. Unter Berücksichtigung der Rechtslage und der tatsächlichen Anzahl der Fabrikmitarbeitenden vor Ort wurde die Beschwerde schließlich von der bearbeitenden Institution (RMG Sustainability Council) als abgeschlossen erklärt.

Aus unserer Sicht bewerten wir den ACCORD-Beschwerdemechanismus als besonders effektives Tool, um ein direktes Feedback aus unseren Zuliefererbetrieben zu erhalten. Es wäre wünschenswert, wenn ähnliche Modelle auf weitere Produktionsländer übertragen werden könnten. Langfristig hoffen wir, dass effektive Mechanismen wie der in Bangladesch zu einer Verbesserung der Arbeitsverhältnisse und Sicherheitsstandards beitragen und das wiederum zu einer Reduktion von Beschwerden führt.